Nachfolge und Ehepartner, die vergessene Partei


Am Tisch sitzen drei. Der Senior, die Nachfolge, der Berater. Hier werden die Entscheidungen vorbereitet, die Zahlen geprüft, die Schritte geplant. Es ist ein guter, klarer Termin. Am Abend aber findet ein zweites Gespräch statt, das niemand auf die Tagesordnung gesetzt hat. Es findet zu Hause statt, zwischen dem Senior und seinem Ehepartner. Häufig entscheidet nicht der Termin am Tisch, sondern dieses Gespräch am Abend, ob die Übergabe wirklich in Bewegung kommt.

 

In jeder Nachfolge gibt es eine Partei, die selten am Tisch sitzt und trotzdem mitentscheidet. Es ist die Person, die dem Abgebenden am nächsten steht, die Ehefrau oder der Ehemann. Über Jahrzehnte hat das Unternehmen nicht nur den Senior geprägt, sondern auch den gemeinsamen Alltag, die Abende, die Sorgen, die Verzichte. Der Ehepartner hat das mitgetragen, oft im Hintergrund, oft ohne eigene Rolle im Betrieb. Wenn die Führung endet, endet auch etwas Gemeinsames.

 

Deshalb hat der Ehepartner fast immer eine Haltung, und sie ist berechtigt. Zu der Frage, ob die Nachfolge wirklich bereit ist, ob unter den Kindern gerecht verteilt wird, ob die finanzielle Sicherheit nach der Übergabe trägt, und dazu, wer der Senior sein wird, wenn er morgens nicht mehr in den Betrieb fährt. Diese Haltung ist real, ob sie ausgesprochen wird oder nicht.

 

Wird diese Haltung am Tisch nie sichtbar, verschwindet sie nicht. Sie wirkt im Hintergrund weiter. Der Senior zögert dann an Stellen, die niemand erklären kann, verschiebt einen Schritt, hält eine Aufgabe länger als nötig. Von außen sieht es aus, als könne er nicht loslassen. Tatsächlich ist die Bereitschaft loszulassen nicht nur seine, sie wird auch zu Hause verhandelt.

 

Manchmal ist der Ehepartner sogar formal beteiligt, als Mitgesellschafter, und wird dennoch wie eine Formalie behandelt. Dann verschärft sich, was ohnehin schon mitschwingt, denn eine Stimme mit Anteilen, die man übergeht, meldet sich irgendwann zu Wort, selten zum günstigsten Zeitpunkt.

 

Eine Übergabe, die das übersieht, kann auf dem Papier vollständig sein und im Alltag trotzdem nicht ankommen.

 

Was hilft, ist kein zusätzliches Gespräch über Gefühle, sondern dass die vergessene Partei eine Stelle bekommt. Dass ihre Haltung benannt werden darf, bevor sie im Hintergrund wirkt. Der Ehepartner muss nicht mitentscheiden, was im Betrieb geschieht. Gesehen aber sollte er werden, denn die Bereitschaft des Seniors, die Führung abzugeben, hängt auch daran, ob der Mensch an seiner Seite den Weg mitträgt.

 

Die Nachfolge wird am Tisch geplant. Ob sie gelingt, entscheidet sich oft am Küchentisch. Wer die Person, die dem Abgebenden am nächsten steht, früh einbezieht, nimmt der Übergabe einen Widerstand, den sonst niemand benennen kann.