Die Wahl des Nachfolgers ist selten nur eine fachliche Frage. Sie ist eine Frage der Haltung, der inneren Zustimmung und der Ehrlichkeit darüber, was jemand wirklich trägt, wenn die Verantwortung offiziell bei ihm liegt. Ob die Nachfolge in der Familie liegt oder von außen kommt: Passung zeigt sich nicht im Bewerbungsgespräch. Sie zeigt sich darin, wie jemand entscheidet, wenn niemand zuschaut.
Die Übergabe ist formal vollzogen. Der Vertrag unterschrieben, die Visitenkarten gedruckt, alle sind einverstanden und trotzdem ruft der Großkunde noch immer zuerst beim Senior an. Und der Senior geht ran. Die Scheinübergabe ist das Phänomen, das in der klassischen Nachfolgeberatung selten benannt wird. Und das am häufigsten darüber entscheidet, ob eine Übergabe wirklich trägt.
Warum scheitern Nachfolgen in Familienunternehmen, obwohl alles formal geregelt ist? Weil die eigentliche Übergabe nicht im Vertrag stattfindet. Sie findet im Dienstagmeeting statt. In dem Moment, in dem jemand die Kundenmail doch noch selbst beantwortet. Oder im Kundengespräch minimal zu weit vorne sitzt. Über die operative Doppelstruktur, die fast jede Nachfolge begleitet, und was es braucht, damit sie sich wirklich auflöst.