Wo Steuerberater und Anwalt aufhören, beginnt die eigentliche Übergabe


Der Notartermin ist vorbei. Der Vertrag ist unterschrieben, die Anteile sind übertragen, die steuerliche Gestaltung sitzt, die Bewertung war fair. Alle Beteiligten haben gute Arbeit geleistet, der Steuerberater, der Anwalt, der Berater. Die Akte kann geschlossen werden. Auf dem Papier ist die Nachfolge vollzogen.

 

Drei Monate später ruft der wichtigste Kunde noch immer zuerst beim Senior an. Die Mitarbeiter fragen in der schwierigen Situation weiter ihn. Entscheidungen, die längst bei der Nachfolge liegen, wandern auf leisen Wegen zurück. Formal hat sich alles geändert. Im Alltag wenig.

 

Das ist kein Versäumnis der Beraterinnen und Berater. Es ist die Grenze ihres Auftrags.

 

Steuer, Recht und Bewertung regeln, wem das Unternehmen gehört, wie das Vermögen übergeht und wer wofür haftet. Sie regeln das präzise, und sie müssen es regeln, denn ohne diese Ebene gibt es keine Nachfolge. Was sie nicht regeln, und auch nicht regeln sollen, ist die Frage, ob die Führung im Alltag tatsächlich übergeht. Diese Frage steht in keinem Vertrag.

 

Die besten Beraterinnen und Berater wissen das, und viele sagen es selbst. Sie verweisen darauf, dass der Senior loslassen muss, dass die meiste Reibung nach dem Vertrag entsteht, dass das eigentliche Thema zwischen den Menschen liegt. Damit benennen sie genau die Schicht, die ihr Mandat verlässt.

 

In dieser Schicht arbeite ich. Hier zeigt sich, ob die Übergabe wirklich angekommen ist oder nur auf dem Papier steht, ein Zustand, der häufiger ist, als man denkt, und der eine eigene Dynamik entwickelt.

 

Solange die Führung formal übergeben, faktisch aber nicht gewechselt ist, laufen zwei Entscheidungswege nebeneinander, und das Unternehmen orientiert sich an dem, was es beobachtet, nicht an dem, was im Vertrag steht.

 

Damit eine Übergabe trägt, muss im Alltag klar werden, wer entscheidet und mit welcher Verbindlichkeit, und in welcher Reihenfolge Verantwortung tatsächlich übergeht. Das ist die Arbeit, die nach dem Vertrag beginnt.

 

Eine Transaktion kann makellos sein und die Übergabe trotzdem scheitern, weil beide verschiedene Dinge regeln. Das eine sichert das Eigentum, das andere die Führung. Wer als Steuerberaterin, Anwalt oder Beraterin diese Grenze erkennt und benennt, gibt damit selbst einen wertvollen Rat, denn er weist auf das hin, was über das Gelingen entscheidet.

 

Wo der Vertrag endet, beginnt die eigentliche Übergabe. Wer wissen möchte, ob sie im eigenen Unternehmen schon trägt, findet den Einstieg unter Klärung anfragen.